Warum jeder Läufer Yin Yoga braucht

Wenn Du Dein Lauftraining durch Yin Yoga ergänzt, könnten Beschwerden wie Gelenkverschleiß oder verspannte Hüften und Oberschenkel endlich der Vergangenheit angehören. Yin Yoga hat viele Vorteile für Läufer – ich zeige Dir hier in diesem Artikel, warum Du als Läufer Yin Yoga brauchst.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf meinem Laufblog Lauftrieb.de unter dem Titel Warum jeder Läufer Yin Yoga braucht und ist dort auch noch zu finden

Was ist Yin Yoga?

Im Gegensatz zu den mehr dynamischen – yang-orientierten – Yogastilen wie Vinyasa oder Ashtanga, die den Fokus mehr auf Kraft und Ausdauer und die Muskeln haben, ist Yin Yoga ein eher passiv orientierter Stil, bei dem die Positionen vor allem sitzend oder liegend ausgeführt werden und lange  gehalten werden (3 bis 5 Minuten, Fortgeschrittene auch länger). Diese wesentlich langsamere Praxis fokussiert mehr auf die „starren“ Gewebe wie Faszien, Bänder, Sehnen und Gelenke, vor allem im Bereich der Hüften, Beine und dem unteren Rücken.

Yin Yoga Sattel

Saddle Pose – eine meiner Lieblings-Yin-Asanas nach Ultraläufen 🙂

Yin Yoga verbindet Yoga mit der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Aus einem energetischen Blickwinkel betrachtet, helfen die Positionen des Yin Yoga, die Meridiankanäle, feine Energiebahnen in unserem Körper zu öffnen und das Chi oder Qi, unsere Lebensenergie, wieder frei fließen zu lassen. Ein stagnierender Chi Fluss kann sich in diversen Beschwerden äußern und das Öffnen dieser Kanäle kann helfen, Beschwerden zu lindern, Organfunktionen zu verbessern, das Immunsystem zu stärken und die emotionale Balance wiederherzustellen. Yin Yoga wirkt quasi wie eine „Akupunktur ohne Nadeln“.

Yin Yoga – mehr als Faszien Training

Durch das lange Halten der Positionen wird vor allem das Faszien-Gewebe angesprochen, ein netzartiges Gewebe, das unsere Muskeln umhüllt und unserem Körper Halt und Struktur gibt. Lange Zeit wenig beachtet, wird die Bedeutung der Faszien in letzter Zeit immer klarer. Gerade bei typischen wiederholten Bewegungen (wie beim Laufen) oder auch in typischen Alltagshaltungen (Sitzen) können die Faszien verkleben und sich um die Muskeln herum zusammenziehen. Das kann chronische Steifheit und Muskelspannung verursachen, zu einer schlechten Laufhaltung führen und dadurch das Verletzungsrisiko erhöhen – neben einer Vielzahl anderer Beschwerden. Das Besondere an den Faszien liegt an der Vernetzung im ganzen Körper – die Faszien sind über Faszienketten, sogenannte myofasziale Leitbahnen, miteinander verbunden. Durch das Dehnen einiger bestimmter Schlüsselbereiche entlang dieser Linien kann sich die Faszie komplett entspannen. Übrigens gibt es teilweise erstaunliche Überschneidungen von Faszienketten und Meridianbahnen – hier schließt sich also der Kreis wieder.

Yin Yoga Dragon

Dragon Pose, eine wichtige Asana für Läufer

Doch Yin Yoga ist mehr als bloßes Faszien Training. Im Gegensatz zum fitnessorientierten Faszien Training wirkt Yin Yoga ganzheitlich auf Körper, Geist und Seele und steigert nicht nur das körperliche, sondern auch das geistige und emotionale Wohlbefinden. Yin Yoga lässt sich als Vorstufe der Meditation sehen, viele Menschen, die Probleme mit dem Meditieren haben, finden durch Yin Yoga einen leichteren Zugang (mich eingeschlossen :-))

Was kann Yin Yoga für mich als Läufer bringen?

Doch nun nochmal auf den Punkt gebracht, welchen Nutzen hat Yin Yoga für Läufer?

  1. Entspannung des Faszien Gewebes
  2. bessere Beweglichkeit
  3. bessere Mobilität der Gelenke
  4. verbesserte Regeneration nach Wettkämpfen oder intensivem Training (ich z.B. praktiziere gerade nach langen Läufen oder Ultras gerne Yin Yoga, um schnell wieder fit zu werden)
  5. Verletzungsprophylaxe
  6. Linderung bestehender Schmerzen
  7. positive Wirkung auf das Immunsystem
  8. mehr Ruhe und Gelassenheit
  9. erfahre es selbst!

Yin und Yang in Balance – die Integration von Yin Yoga in den Trainingsplan

Das alte chinesische Konzept von Yin und Yang beruht auf der Auffassung, dass es zwei gegensätzliche Kräfte, Yin und Yang gibt, die miteinander verbunden und voneinander abhängig sind und in Balance sein müssen. Wie passt das jetzt in das Trainingskonzept als Läufer?

Yang ist der mehr dynamische, schweißtreibende, hitzebildende Teil. Das Yang Prinzip steht für die männliche Seite, Hitze, Bewegung und Kraft. Das Laufen selbst und auch Krafttraining oder dynamisches Yoga beispielsweise ist ein yang-orientiertes Training.

Yin ist die weibliche, ruhige, stille, kühle Seite. Training wie Entspannungsübungen oder Stretching sind dem Yin-Prinzip zuzuordnen.

Wenn die Yang-Seite überwiegt ohne durch Yin ausbalanciert zu werden, kann es zu Übertraining, Verletzungen oder chronischer Müdigkeit kommen.

Yin Yoga Schildkröte

Der Schmetterling (bzw. hier in Variante der Schildkröte) ein sanfter Hüftöffner ideal für Läufer

Gerade nach harten Einheiten, Wettkämpfen oder sehr langen Läufen bietet sich Yin Yoga als Ausgleich an. Yin Yoga steht somit auch nicht im Widerspruch zu anderen Trainingsarten oder anderen Yogastilen, sondern ist die ideale Ergänzung!

Auf die Sprache des Körpers hören – Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst

Nicht zuletzt hilft uns die Yin Yoga Praxis durch ihre ruhige und introspektive Natur, aufmerksam zu werden und unserem Körper mit Achtsamkeit zu begegnen.

Yin Yoga Shoelace

Durch Yin Yoga erfahren wir mehr über die Grenzen und Möglichkeiten unseres Körpers, da wir kontinuierlich beobachten, welche Erfahrungen und Gefühle während der Praxis auftauchen. Dadurch lernen wir, mehr auf Körpersignale zu hören und somit möglicherweise Verletzungen und Übertraining schon im Ansatz verhindern zu können.

Nicht zuletzt können wir jeden Lauf mehr genießen, wenn wir vollkommen präsent im Hier und Jetzt sind – was uns die Yoga-Praxis lehrt.

Warum jeder Läufer Yin Yoga braucht

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